Fortbildung
Zimmer Implantologie Tage 2009
Einblicke, Ausblicke und Zukunftsperspektiven
4. Zimmer Implantologie Tage mit Rundblick

Fokus 360°: Die Zukunft braucht Perspektiven – unter diesem Motto boten die diesjährigen 4. Zimmer Implantologie Tage am 8. und 9. Mai in Frankfurt am Main den 459 vor Ort registrierten Zahnmedizinern einen implantologischen Rundblick. Das Spektrum reichte von praxisnahem Detailwissen über wissenschaftliche Schlussfolgerungen renommierter internationaler Referenten bis hin zum Test für angehende Astronauten. Während Zimmer Dental in den vergangenen Jahren eher mit seinen Implantaten von sich reden machte, folgt nun der konsequente Blick um 360° auf die Implantatumgebung. "Ein Implantat kann nur so stabil sein, wie seine Umgebung. Dafür wollen wir das nötige Wissen und zuverlässiges Material bieten.", so Geschäftsführer Michael Putscher. Die Resonanz der Teilnehmer: "Ausgebucht" – bereits zwei Monate im Voraus.


Abb. 01: Gespannt verfolgten die Teilnehmer die Vorträge

Charmant und mit dem "Blick fürs Ganze" führte Moderator Dr. Matthias Stamm (Overath) durch die drei Sessions und selbst das Get together im CocoonClub, einem der angesagtesten Clubs Deutschlands hätte unter dem Motto stehen können: "Inside the allograft", so Stamm.

In der Session "Fokus Implantologie" formulierten erfahrene Anwender ihre Resultate. "Das Zimmer® One-Piece Implantat zeigt seit zwei Jahren, dass ein äußerst stabiles einteiliges Implantat mit 3 mm Durchmesser in extremen Situationen sehr wohl verlässlich einsetzbar ist.", so Dr. Wolf-Ullrich Mehmke (Chemnitz). Als Lösungsalternative bei schmalem Kieferkamm bietet das Zimmer® One-Piece laut Dr. Philippe Khayat, (Paris) im Gegensatz zu aufwändigen Augmentationen oft eine schnellere, langzeitstabile und weniger invasive Lösung als risiko- und problembehaftete Augmentationen. Wie man mit Puros® Allograft als Block oder Partikeln (früher Tutoplast® Spongiosa) bisherige Grenzen risikoarm verschieben kann und dem Goldstandard autogenem Beckenkamm dabei sehr nahe kommt, verdeutlichten Prof. Dr. Murat Yildirim (Aachen) und Dr. Antonio Rocci (Chieti) in der Session "Fokus GBR & GTR". Letzterer hatte in den vergangen elf Jahren sehr erfolgreich und mit vorhersagbaren Ergebnissen ganze 2052 Patienten damit behandelt und bis zu 78 Monate nachuntersucht. Doch, welche Techniken und Materialien zur Knochenaugmentation sind für welche Indikationen evidenzbasiert? Zu dieser Thematik stellte mit Prof. Dr. Marco Esposito (Arcore/Manchester) einer der bekanntesten internationalen Researcher die Ergebnisse eines systematischen Cochrane Reviews vor.


Abb. 02: Break-out sessions bei der Masterclass

Eine "Perle" nannte Putscher die Masterclass, bei der pointiert durch Moderator Dr. Georg Bayer (Landsberg) in diesem Jahr mit den Experten (Esposito, Rocci und Yildirim) einige Patientenfälle unter dem Blickwinkel Implantologie versus Parodontologie diskutiert wurden. Den wohl spektakulärsten 360° – Blick bot allerdings Prof. Dr. Ulrich Walter (München), Wissenschafts-Astronaut der D2-Mission 1993. Unter dem Titel von der "Vision zur Mission" bot er Tests für angehende Astronauten und fesselnde Schilderungen von Parabeltrainings, Dinner mit Blick auf den Himalaja und seine persönliche Shuttle-Start-Erfahrung.

Sein Resümee des Shuttlestarts traf wohl auch für viele Teilnehmer in Frankfurt zu: "What a ride!"

Hinweis: Die nächsten Zimmer Implantologie Tage sind für den 7. und 8. Mai 2010 angekündigt.

Einzelne Highlights im Detail:

Fokus 360°

Von der Vision zur Mission – perfekt vorbereitet für den Orbit
Wussten Sie, dass Astronauten für die Notlandung in den "unverfehlbaren" Wassern unseres "Blauen Planeten" neben Fallschirm, Rettungsboot und Trinkwasser auch eine Angel mitbekommen? Und eine Ausbildung über die Essbarkeit von Seefischen? Prof. Dr. Ulrich Walter (München) hat sich als deutscher Astronaut der D2-Mission über fünf Jahre vorbereitet auf seinen Flug ins All. Ähnlich wie in manchen Praxissituationen gelte: "Gute Vorbereitung ist die halbe Mission.", so Walter, der eine weitere Parallele betonte: "Eigentlich läuft alles automatisch ab. Der Astronaut ist immer dann gefordert, wenn ein Experiment außerhalb der Norm läuft. Auf die Frage nach dem Gefühl beim Start des Shuttles beschrieb er fesselnd: "Als Astronaut sitzt man beim Start auf 2200 Tonnen, die sich in 200 Tonnen Shuttle plus besten Treibstoff aufteilen, von dem ganze sieben Tonnen pro Sekunde beim Start verbraucht werden. Der Sicherheitsabstand für Beobachter sei daher auf 7 Kilometer festgelegt. Nur Sie sitzen direkt obenauf, wenn es losgeht..." Neben faszinierenden Bildern und spannenden Details bot Zimmer Dental mit diesem Highlight maximale Begeisterung für die Teilnehmer. Die Erfolgsbilanz für Walter und seine Kollegen: 88 von 89 geplanten Experimenten wurden erfolgreich abgeschlossen.

Paradox: Wenn Mr. A und Mrs. B kommunizieren...
"Das Paradoxe an der Kommunikation ist bereits, dass man kommunizieren muss, um etwas über Kommunikation zu erfahren.", so der Münchner Soziologe Prof. Armin Nassehi. Dabei sei sie unvermeidlich, selbst wenn man nicht mit jemandem kommuniziere, sei das Kommunikation. Am Beispiel seiner Story von Mr. A und Mrs. B zeigte er u.a. auf, wie wenig die Eigendynamik der Kommunikation sich von einer Seite kontrollieren lässt und wie schwierig gerade in der ärztlichen Praxis das richtige "Rüberbringen der Inhalte" sein kann. Zudem erläuterte er Studien bezüglich der Fehlerqualität in Ärzteteams. Demnach machen aufeinander eingespielte Op-Teams häufig andere Fehler als neu zusammengestellte. Auch diese Aspekte gelte es in der täglichen Planung zu bedenken, so Nassehi.

Zimmerprodukte: Neue Namen, neue Membran bei garantierter Sicherheit
Bioresorbierbares Knochenersatzmaterial und resorbierbare Membranen bietet Zimmer Dental nach einem Rebranding nun unter neuen Produktnamen: Aus der bovinen Perikard Membran Tutodent® Membran wurde jetzt CopiOs®. Ähnliches gilt für die aus allogenem Gewebe gewonnenen früheren Produkte Tutoplast® Spongiosa Partikel bzw. Block-P, die nun unter Puros® Allgraft Spongiosa als Partikel oder Block über Zimmer Dental vertrieben werden. Völlig neu hingegen ist die Zimmer® Socket Repair Membran, die Socket preservation schnell und einfach für den täglichen Gebrauch machen soll : durchdachte Form, einfache Applikation und Zuverlässigkeit des Materials. Ziel ist die Unterstützung der Wundheilung bei der Wiederherstellung der fazialen Alveolenwand und der Erhalt des Kieferkamms nach atraumatischen Extraktionen. Entsprechend neuer Anforderungen und Forschungsansätze unterstützen diese Materialien den klassischen Implantatbereich.

Fokus Implantologie:

Schmal, stabil und verlässlich – Zimmer One-Piece nach zwei Jahren
Dr. Wolf-Ullrich Mehmke (Chemnitz) berichtet aus seiner nunmehr zweijährigen Erfahrung mit dem Zimmer® One-Piece Implantat, zeigte Grenzen und Möglichkeiten auf. Seitdem über die Verwendung des Materials Ti6Al4V eine sichere Stabilität auch für den reduzierten Durchmesser von drei Millimetern möglich ist, habe sich dieses Implantat insbesondere in anatomisch schwierigen Situationen wie eingeschränkten Platzverhältnissen, geringe Breite des Kieferkamms oder der Lücken u.ä. bewährt. Der Verzicht auf eine Verbindung bei dem einteiligen Implantat im Zimmer-Portfolio schafft nicht nur Stabilität, sondern umgeht das Problem der Mikrobewegung und Weichgewebsanlagerung im Rahmen der üblichen Verbindungen. Dennoch sei das Handling und die Planung leicht abweichend von bisherigen Zimmer-Implantaten. Der zur Qualitätssicherung vorgeschaltete Einführungskurs für Zimmer® One-Piece-Nutzer werde von Absolventen sehr positiv beurteilt, da hier u. a. anfängliche Probleme z.B. mit einer zu fest sitzenden Abformkappe und damit unnötige Misserfolge vermieden werden.


Abb. 03: Podiumsdiskussion mit Dr. Philippe Khayat, Dr. Wolf-Ullrich Mehmke und Moderator Dr. Matthias Stamm

Schmaler Kieferkamm – was tun?
Dem Dilemma des schmalen Kieferkamms widmete sich Dr. Phillipe Khayat (Paris) mit Betrachtung der zwei klassischen Lösungsmöglichkeiten: Augmentation in Varianten einerseits und der Nutzung durchmesserreduzierter bzw. kurzer Implantate andererseits. Ausführlich stellte der Franzose seine persönlichen Vorlieben bei der Knochenblockentnahme im retromolaren Bereich als Alternative zur Nutzung von Beckenkammtransplantaten dar. Auf die Frage, wo der Knochen vestibulär des Mandibularkanals dünner wäre, nannte er zur Verblüffung vieler die statistischen Werte von 4,05 mm im Bereich der 6er und durchschnittlich 1,72 mm im Bereich der 8er und mahnte zu entsprechender Vorsicht. Als Alternative und als Ergänzung zur Augmentation schätzte auch Khayat das Zimmer® One-Piece als "narrow implant of the second generation" u.a. wegen besserer Materialeigenschaften und seiner anatomischen Randgestaltung für ein optimales Emergenzprofil sozusagen "von Haus aus". Zudem werde ein schmaleres Implantat bei der Insertion von der stärkeren lingualen Kompakta nicht so unerwünscht weit nach vestibulär abgedrängt.

Fokus GBR & GTR

Puros® Allografts longitudinal: 11 Jahre erfolgreiche Augmentationen
Insgesamt 2052 Patienten hat der Italiener Dr. Antonio Rocci (Chieti) von 1998 bis 2009 mit insgesamt 2953 Grafts als Block, Partikeln oder in Kombination versorgt. Das positive Ergebnis: "Graft Failure" nur in 84 Fällen (2,8%), "Implant Failure" in 93 (3,1%), dabei war zunächst der Unterkiefer überproportional vertreten. Er spricht sowohl von einer deutlichen Lernkurve, als auch von verbesserten Eigenschaften moderner Oberflächen. Zudem sei eine dicke Kortikalis kritischer zur bewerten. So haben sich bei vertikaler Augmentation von Puros® Allograft Blöcken durch Verlängerung der Einheilzeit von vier Monaten um weitere drei eine deutlich bessere Integration der Blöcke gezeigt. Heute setzt Rocci bei passender Defektmorphologie bevorzugt Puros® Allograft Partikel ein, allerdings geschichtet mit feineren Partikeln obenauf und größeren in der Tiefe. Damit beantwortete Rocci in seinem Vortrag mit einer rasanten Anzahl von Fällen deutlich positiv die Frage, ob allogenes Material eine Alternative sein kann. Zudem hätten Proben nach Sinuslift-Augmentation ergeben, dass die Knochendichte des augmentierten Areals nahezu identisch mit der des Wirtsknochens ist.


Abb. 04: v.l. Dr. Wolf-Ullrich Mehmke, Prof. Dr. Murat Yildirim, Jens Boy, Prof. Dr. Marco Esposito, Dr. Matthias Stamm, Dr. Antonio Rocci, Prof. Dr. Ulrich Walter, Michael Putscher

Neue Wege zur Knochenregeneration – Allogene Blöcke statt Beckenkamm
Blockaugmentation als Alternative zum autogenen Beckenkammtransplantat – für Prof. Dr. Murat Yildirim (Aachen) ist dies nur eine Frage von Material, Defekt, Technik und exakter Planung unter Einbeziehung aller Parameter. Dennoch gelte: Trotz bekannter Nachteile (Entnahmemorbidität und Resorption) wird das Beckenkammtransplantat oftmals immer noch als Goldstandard angesehen, doch es sei eben "nicht alles Gold was glänzt" so Yildirim schmunzelnd. Für den Erfolg mit den Puros®-Allograft Blöcken sollten jedoch Grundregeln beachtet werden, die ebenso einfach, wie effektiv sind: eine optimale Diagnostik im Vorfeld ist entscheidend. Yildirim warnte: "Was man in der ersten OP nicht erreicht, bleibt zu 80 bis 90 Prozent auch bei den folgenden so." Weitere Faktoren für den Behandlungserfolg seien die Wahl der Schnittführung, das ausreichende Setzen der Bleeding points, die sorgfältige Adaptation, Entlüftung, Fixation und das Trimmen des Blockes, eine gute Periostschlitzung sowie ein dichter spannungsfreier Nahtverschluss. "Das geht nicht mal eben zwischen zwei Füllungen, wenn Sie ein vorhersagbares Ergebnis wollen.", so Yildirim. Mit jeweils fünfmonatiger Einheilzeit zeigte er dann Fälle von der Nichtanlage bis zur 3-dimensionalen Kieferkammrekonstruktion und den erfolgreichen Ausgleich einer altersbedingten "Resorptionsprogenie" – allesamt unter Verzicht auf autogenen Beckenkamm sondern Verwendung von Puros® – Allograft. Vorsicht ist jedoch bei der Vorbereitung des Implantatbettes in diesem Gebiet geboten, damit das Blockgraft nicht durch zuviel Kompression wieder abgesprengt wird.


Abb. 05: Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Murat Yildirim, Dr. Antonio Rocci und Prof. Dr. Marco Esposito

Evidenzbasiert und systematisch – Esposito lässt Fakten sprechen
Welche Technik bzw. welches Material ist im Überblick der derzeitigen Literatur erfolgreich zur Knochenaugmentation einsetzbar? Dieser Frage ging mit Prof. Dr. Marco Esposito (Arcore) einer von Europas bekanntesten Experten für Clinical Research im Rahmen eines systematischen Cochrane Reviews nach. Während die Realität in vielen Praxen mehr vom Kollegengespräch geprägt ist (opinion based practice), definiert ein derartiger Review bereits im Vorfeld ganz andere Qualitätskriterien, fallen bereits bei der Vorauswahl viele Studien heraus. "Clinical Research ist keine PR. Wir suchen Antworten auf Fragen." betonte Esposito. Im thematisierten Review wurden Fragen rund um die Knochenaugmentation zusammenfassend folgendermaßen beurteilt: Sowohl horizontaler Knochenaufbau als auch vertikaler Knochenaufbau sind in der Praxis erfolgreich, jedoch in unterschiedlichem Maße. Für den vertikalen Aufbau wurden für die Osteodistraktion positive Ergebnisse vermerkt. Für den Einsatz von PRP gibt es keine Daten, die Effekte bestätigen Titannägel scheinen verlässlicher in der Verwendung als resorbierbare Pins. Im Unterkiefer wurden im Vergleich mehr Implantatverluste verzeichnet bei gleichzeitig höherem operativen, zeitlichem und finanziellem Aufwand bei Verwendung von Inlay grafts. Besser schnitten hier direkt inserierte kleinere bzw. kürzere Implantate ab. Einige Studien geben Hinweise darauf, dass verschiedene Knochenersatzmaterialien zumindest als gleichwertig mit autogenem Knochen zu beurteilen sind, jedoch ohne Entnahmemorbidität und bei anderer Kostenstruktur.

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